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Das Mekka des Segelfliegens

Bitterwasser fördert Tourismus und kämpft mit Landreformproblematik
Frank Steffen
Von Frank Steffen, Windhoek/Hoachanas

Zu Weihnachten 2017 wurde bekannt, dass Ulf Merbold, der einzige deutsche Astronaut, der bereits drei Raumflüge unternommen hat - zwei mit der Space Shuttle und einen weiteren mit den Russen zur internationalen Raumstation M.I.R. -, auf der Farm Bitterwasser verweilte. Als Segelfliegerpilot war dies die scheinbar logische Folge der Tatsache, dass Bitterwasser mittlerweile als das Mekka der Segelflieger gilt. Das weltbekannte Flugzentrum ist etwa 250 km südöstlich von Windhoek gelegen und befindet sich auf der Strecke von Uhlenhorst nach Hoachanas.

Während der Monate November bis Januar treffen sich hier jedes Jahr hunderte Segelflieger aus aller Welt. Bei einem Besuch der AZ erklärte Hubertus Huvermann, Pressesprecher des Flugzentrums: „Deutschland hat sicherlich die aktivste und größte Segelfliegergemeinschaft. Darum sind die Deutschen natürlich am stärksten in Bitterwasser vertreten. Allerdings will weltweit jeder leidenschaftliche Segelflugzeug-Pilot wenigstens einmal im Leben auf Bitterwasser geflogen sein.“ Der Leiter des „Bitterwasser Lodge und Flugzentrums“, Rainer Hog, berichtete von mehr als 400 Flügen, die in dieser Saison einen Abstand von mindestens 1000 Kilometern geschafft haben; allein das sei eine Rekordzahl. Die Thermik dieser Umgebung erlaubt Segelflüge, die auch in anderen Teilen der Welt stattfinden, aber nicht annähernd so oft und planmäßig, wie es in diesem Teil der Kalahari möglich ist. Dadurch werden regelmäßig neue Weltrekorde aufgestellt.

Der Name der Farm entstammt der großen Salzpfanne, die in den trockenen Monaten gewalzt wird und als Landebahn dient. Der ursprüngliche Eigentümer der Farm, Peter Kayssler, übte hier bereits vor mehr als 50 Jahren diesen Sport aus und daraus entwickelte sich das Flugzentrum, das heute einer Gesellschaft gehört, derer Aktionäre sich hauptsächlich aus Ausländern zusammenstellt. Das Eigentumsrecht war bisher eine Interessenfrage, denn nachmaßen die ältere Generation Abstand vom Geschehen nahm, verkauften sie ihre Aktien an die nachrückende Generation. Die Eigentümer wissen, dass es sich nicht um ein ertragreiches Geschäft handelt, sondern um eine Liebe zur Sache.

„Wer glaubt, dass wir hier das große Geld machen, irrt. Die Infrastruktur entspricht internationalen Ansprüchen und der ganze Betrieb verlangt ständige Erneuerung und Modernisierung. Da die Flugsaison nur drei Monate pro Jahr anhält, steuert der Lodge-Betrieb während des restlichen Jahres zu den Ausgaben bei“, erklärt Hog, der sich gemeinsam mit seiner Frau Dagmar, in der Zeit des Hochbetriebs, um die Verwaltung kümmert. In diesen Monaten beherbergt der Betrieb nie weniger als 80 Besucher und Piloten. Die bis zu 40 Flieger, die sich mit einem Mal in einer Flughöhe von 3000 bis 6000 Metern aufhalten, werden nicht mehr wie früher hochgezogen. Die Flugzeuge, die zwischen 100000 Euro und 300000 Euro kosten, sind mittlerweile mit Hilfsmotoren ausgestattet, damit sie aus eigener Kraft Höhe gewinnen, wonach die Motoren eingefahren werden. Von unten gesehen, erinnert es an kreisende Geier. „Je nach Wetterlage, segeln wir an das Knie der Namibia-Botswana-Landesgrenze und danach entlang der Grenze bis runter nach Mata-Mata bevor es nachhause geht. Sonst geht es ab zum Gamsberg und von dort am Steilabhang entlang bis nach Helmeringhausen, bevor wir zurückkehren“, schildert Huvermann die Flüge, die manchmal 7,5 Stunden andauern.

Anders als in anderen Teilen der Welt, ist in Namibia aus einem nicht ersichtlichen Grund, das Segelfliegen nur in den drei besagten Monaten erlaubt. Laut Zivilluftfahrt-Verordnung beginnt die Saison Anfang November und endet am 31. Januar. Somit scheint die staatliche Bürokratie das weitere jährliche Wirtschaftspotenzial dieser Tourismusszene sichtlich einzuschränken, denn Hog schätzt das landesweit von Segelfliegern stammende Tourismuseinkommen in der Saisonzeit auf etwa 10 Millionen N$.

Indessen wirkt sich die Landreformgesetzgebung ebenfalls nachteilig auf die Eigentumsrechte aus, da die jüngere Generation keine Aktien abkaufen kann. Da das Gesetz selbst bei dem Transfer einer einzigen Aktie vorschreibt, dass die gesamte Farm erst dem Staat zum Verkauf angeboten werden muss, bevor eventuell die Freigabe des Verkaufs an einen Segelflieger-Kollegen möglich wird, steht die Sportler-grundierte Eigentümerschaft und somit die Verjüngung des Vereins auf dem Spiel. Dabei kann sich die nahegelegene Ortschaft Hoachanas ohne die verschafften Arbeitsplätze sowie Schul- und Schülerpatenschaften und weiterer Sozial-Initiativen, die von der Segelfliegergemeinschaft Bitterwasser ausgehen, kaum selbst halten.

Kommentar

Allgemeine Zeitung 2024-11-25

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