"Ich existierte nicht mehr"
Windhoek- Die 20 jährige Namibierin Mina (Name geändert) war einst ein Mobbingopfer, doch sie fand ihren Weg aus "der Hölle", wie sie es bezeichnet. Drei lange Jahre litt sie unter den täglichen Attacken ihrer Mitschüler. Keiner half ihr, keiner verteidigte sie und ihre Lehrer sahen nur zu.
Während dem Interview wird ihre Hilflosigkeit offensichtlich, denn sie versinkt in eine Welt voller Schmerz und Einsamkeit.
Warum sie zum Opfer wurde, weiß Mina nicht. Sie meint: "Auf meiner alten Schule hatte ich das Problem nicht, erst als ich in der 6. Klasse auf die Neue wechselte." Mina war nicht die einzige, die in dem Jahr auf die neue Schule kam, doch sie war die einzige, die zum Opfer wurde. Sie wurde geneckt und verspottet, ihre Sachen wurden versteckt und geklaut. "Doch das war nicht so schlimm, da es nur die Jungs waren. Die Mädchen kamen zu mir und wollten Freundinnen sein. Ich hab mich so gefreut und war so naiv." Sie vertraute ihren neuen Freundinnen, erzählte ihnen von ihren Sorgen und Geheimnissen, nur um später herauszufinden, was für "falsche Schlangen" diese Mädchen waren. Alles was sie ihnen anvertraute, erzählten sie an der ganzen Schule herum. Als Mina sie damit konfrontierte, wurde sie erst von ihrer Klasse und dann von der ganzen Stufe ausgegrenzt. " Ich konnte es einfach nicht verstehen und versuchte mir Freunde zu kaufen. Das klappte nicht und ich gab auf, wurde aber weiterhin ausgenutzt", so die heute 20-Jährige.
Es war zu der Zeit, dass sie anfing zu rauchen um cooler zu wirken und heute, nach acht Jahren tut sie es noch immer. Sie begann sich in sich in Bücher zu vergraben und flüchtete in eine Fantasiewelt.
Auf Schritt und Tritt verfolgten sie fiese Kommentare und es wurden Gerüchte über sie verbreitet. An ihrem 13. Geburtstag startete sie einen letzten Versuch aus diesem Albtraum herauszukommen. Entweder kamen ihre Gäste gar nicht oder nur, um sie zu verspotten und auszunutzen. "Ich versuchte so zu tun als wäre es mir egal, doch viele der Bemerkungen waren scharf wie Rasiermesser. Was auch dazu führte, dass ich begann mich zu ritzen", so Mina zur AZ.
So ging es die ganzen drei Jahre, bis sie Selbstmord begehen wollte. "Ich war am Ende. Emotional sowie physisch, ich nahm Drogen und hatte eine Essstörung. Emotional existierte ich nicht mehr", erzählt sie.
Ihre Eltern, der Rest der Familie und Lehrer taten nichts, schauten nur zu. Laut Mina waren ihre Eltern und Familie der Meinung sie übertreibe, sagten ihr, sie solle nicht so ein Drama daraus machen. Alleine und einsam litt sie und überlegte Tag ein, Tag aus, all dem ein Ende zu bereiten. "Ich hatte die Idee die Pistole meines Vaters zu stehlen und jeden in meiner Stufe zu erschießen", erzählt sie. Zum Glück tat sie es nicht, doch sie fand einen anderen Weg, der sie auf das Niveau der Täter herunterbrachte. Mit 16 begann Mina ihre Mobber genauso fertig zu machen, wie es ihr angetan wurde. Sie machte die Mädchen psychisch zu "Schnecken" und bei den Jungs wurde sie handgreiflich. "Rache war mein Ziel und ich bekam sie auch", so Mina. Zwei Monate später war alles vorbei und Mina freundete sich mit einigen aus ihrer Stufe an.
Heutzutage ist sie glücklich und studiert Psychologie. Ihr Traum ist es, ein Ferienlager für Mobbingopfer zu eröffnen. Dort können sie sich untereinander helfen und anhand von Projekten ihr Selbstwertgefühl wieder aufbauen.
Das Ferienlager ist eine von vielen Ideen im Kampf gegen Mobbing, doch viele andere Opfer finden eigene Methoden.
Sowie Tony, ein 13 jähriger Schüler aus Deutschland, der mehr Klassenfahrten vorschlägt. Seine Begründung ist ganz einfach, da auf Klassenausflügen und -fahrten der Klassenzusammenhalt gestärkt wird. Dies hat er persönlich nach dem letzten Ausflug beobachten können. "Vor der letzten Klassenfahrt wurden drei meiner Klassenkameraden ausgegrenzt und jetzt sind sie ein fester Bestandteil unserer Klasse. Ich vertrage mich selber jetzt mit vielen die ich vorher nicht leiden konnte.", schrieb er.
Die 16 jährige namibische Schülerin Lily meinte, es solle an den Schulen mehr über Mobbing aufgeklärt werden. Lehrer könnten zum Beispiel Spiele und Projekte in ihren Unterricht einführen, welche sich mit dem Thema befassen und regelmäßig durchgeführt werden. Dafür müssen alle den Kopf aus dem Sand ziehen und Mobbing nicht mehr als ein Tabu-Thema betrachten. Solange jeder weiterhin wegschaut, wird sich nichts ändern.
Auch Mina hat einen Rat für Opfer. "Seit euch selber treu, keiner kann euch zwingen jemand anderes zu sein. Baut euer Selbstwertgefühl auf und lasst es von niemanden zunichte machen, denn es macht euch zu dem, was ihr seit."
Zudem lädt die Organisation Joyful Living zu einer Veranstaltung ein, in der Jugendlichen beigebracht werden soll, Mobbing zu erkennen und Opfern helfen zu können. Stattfinden wird es morgen auf der Farm Krumhuk, ab 8:45 Uhr bis 16:30 Uhr.
Die Kinder und Jugendlichen werden in zwei Altersgruppen eingeteilt. In denen werden sie verschiede Szenarien nachspielen. Unteranderem werden weitere Aktivitäten, wie Schwimmen und Reiten im Laufe des Tages angeboten. Interessierte können sich bei Michaela Tietz unter der Nummer 0811278544 oder per E-Mail unter okantikidz@okanti.com.na melden.
Von Carla Rattay
Während dem Interview wird ihre Hilflosigkeit offensichtlich, denn sie versinkt in eine Welt voller Schmerz und Einsamkeit.
Warum sie zum Opfer wurde, weiß Mina nicht. Sie meint: "Auf meiner alten Schule hatte ich das Problem nicht, erst als ich in der 6. Klasse auf die Neue wechselte." Mina war nicht die einzige, die in dem Jahr auf die neue Schule kam, doch sie war die einzige, die zum Opfer wurde. Sie wurde geneckt und verspottet, ihre Sachen wurden versteckt und geklaut. "Doch das war nicht so schlimm, da es nur die Jungs waren. Die Mädchen kamen zu mir und wollten Freundinnen sein. Ich hab mich so gefreut und war so naiv." Sie vertraute ihren neuen Freundinnen, erzählte ihnen von ihren Sorgen und Geheimnissen, nur um später herauszufinden, was für "falsche Schlangen" diese Mädchen waren. Alles was sie ihnen anvertraute, erzählten sie an der ganzen Schule herum. Als Mina sie damit konfrontierte, wurde sie erst von ihrer Klasse und dann von der ganzen Stufe ausgegrenzt. " Ich konnte es einfach nicht verstehen und versuchte mir Freunde zu kaufen. Das klappte nicht und ich gab auf, wurde aber weiterhin ausgenutzt", so die heute 20-Jährige.
Es war zu der Zeit, dass sie anfing zu rauchen um cooler zu wirken und heute, nach acht Jahren tut sie es noch immer. Sie begann sich in sich in Bücher zu vergraben und flüchtete in eine Fantasiewelt.
Auf Schritt und Tritt verfolgten sie fiese Kommentare und es wurden Gerüchte über sie verbreitet. An ihrem 13. Geburtstag startete sie einen letzten Versuch aus diesem Albtraum herauszukommen. Entweder kamen ihre Gäste gar nicht oder nur, um sie zu verspotten und auszunutzen. "Ich versuchte so zu tun als wäre es mir egal, doch viele der Bemerkungen waren scharf wie Rasiermesser. Was auch dazu führte, dass ich begann mich zu ritzen", so Mina zur AZ.
So ging es die ganzen drei Jahre, bis sie Selbstmord begehen wollte. "Ich war am Ende. Emotional sowie physisch, ich nahm Drogen und hatte eine Essstörung. Emotional existierte ich nicht mehr", erzählt sie.
Ihre Eltern, der Rest der Familie und Lehrer taten nichts, schauten nur zu. Laut Mina waren ihre Eltern und Familie der Meinung sie übertreibe, sagten ihr, sie solle nicht so ein Drama daraus machen. Alleine und einsam litt sie und überlegte Tag ein, Tag aus, all dem ein Ende zu bereiten. "Ich hatte die Idee die Pistole meines Vaters zu stehlen und jeden in meiner Stufe zu erschießen", erzählt sie. Zum Glück tat sie es nicht, doch sie fand einen anderen Weg, der sie auf das Niveau der Täter herunterbrachte. Mit 16 begann Mina ihre Mobber genauso fertig zu machen, wie es ihr angetan wurde. Sie machte die Mädchen psychisch zu "Schnecken" und bei den Jungs wurde sie handgreiflich. "Rache war mein Ziel und ich bekam sie auch", so Mina. Zwei Monate später war alles vorbei und Mina freundete sich mit einigen aus ihrer Stufe an.
Heutzutage ist sie glücklich und studiert Psychologie. Ihr Traum ist es, ein Ferienlager für Mobbingopfer zu eröffnen. Dort können sie sich untereinander helfen und anhand von Projekten ihr Selbstwertgefühl wieder aufbauen.
Das Ferienlager ist eine von vielen Ideen im Kampf gegen Mobbing, doch viele andere Opfer finden eigene Methoden.
Sowie Tony, ein 13 jähriger Schüler aus Deutschland, der mehr Klassenfahrten vorschlägt. Seine Begründung ist ganz einfach, da auf Klassenausflügen und -fahrten der Klassenzusammenhalt gestärkt wird. Dies hat er persönlich nach dem letzten Ausflug beobachten können. "Vor der letzten Klassenfahrt wurden drei meiner Klassenkameraden ausgegrenzt und jetzt sind sie ein fester Bestandteil unserer Klasse. Ich vertrage mich selber jetzt mit vielen die ich vorher nicht leiden konnte.", schrieb er.
Die 16 jährige namibische Schülerin Lily meinte, es solle an den Schulen mehr über Mobbing aufgeklärt werden. Lehrer könnten zum Beispiel Spiele und Projekte in ihren Unterricht einführen, welche sich mit dem Thema befassen und regelmäßig durchgeführt werden. Dafür müssen alle den Kopf aus dem Sand ziehen und Mobbing nicht mehr als ein Tabu-Thema betrachten. Solange jeder weiterhin wegschaut, wird sich nichts ändern.
Auch Mina hat einen Rat für Opfer. "Seit euch selber treu, keiner kann euch zwingen jemand anderes zu sein. Baut euer Selbstwertgefühl auf und lasst es von niemanden zunichte machen, denn es macht euch zu dem, was ihr seit."
Zudem lädt die Organisation Joyful Living zu einer Veranstaltung ein, in der Jugendlichen beigebracht werden soll, Mobbing zu erkennen und Opfern helfen zu können. Stattfinden wird es morgen auf der Farm Krumhuk, ab 8:45 Uhr bis 16:30 Uhr.
Die Kinder und Jugendlichen werden in zwei Altersgruppen eingeteilt. In denen werden sie verschiede Szenarien nachspielen. Unteranderem werden weitere Aktivitäten, wie Schwimmen und Reiten im Laufe des Tages angeboten. Interessierte können sich bei Michaela Tietz unter der Nummer 0811278544 oder per E-Mail unter okantikidz@okanti.com.na melden.
Von Carla Rattay
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Allgemeine Zeitung
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